22.04.2024

Wochenmarkt hat letztes Jahr einige Stände verloren

Es war schon mal mehr: Die Kirchstraße wird am Samstagmorgen zum Treffpunkt der Weinstadt. Mindestens vier Stände kommen in diesem Frühling aber nicht wieder dort hin. Foto: Dorn
Es war schon mal mehr: Die Kirchstraße wird am Samstagmorgen zum Treffpunkt der Weinstadt. Mindestens vier Stände kommen in diesem Frühling aber nicht wieder dort hin. Foto: Dorn
Der Blumenstand von Beatrice Scheid ist seit zwei Jahren nicht mehr wegzudenken. Foto: Dorn
Der Blumenstand von Beatrice Scheid ist seit zwei Jahren nicht mehr wegzudenken. Foto: Dorn
Die Metzgerei Rettig gehört zu den treuesten Beschickern des Wochenmarkts. Foto: Dorn
Die Metzgerei Rettig gehört zu den treuesten Beschickern des Wochenmarkts. Foto: Dorn

Das Angebot schwächelt. Ersatz zu finden, ist nicht ganz einfach.

Von Max Rieser

Schriesheim. Er ist Einkaufsmöglichkeit, Treffpunkt – und nicht zuletzt Ort für politische Diskussionen, wenn die Gemeinderatsfraktionen oder Vereine ihre Stände dort aufbauen: der Schriesheimer Wochenmarkt. Mit seiner zentralen Lage in der Kirchstraße lädt er zum samstäglichen Bummeln und Verweilen auf dem Platz vor der evangelischen Kirche ein.

Seit einigen Wochen ist das Angebot allerdings etwas kleiner, was in der Stadtgesellschaft und auch in der rund 550 Mitglieder starken Facebook-Gruppe "Wochenmarkt Schriesheim" die Frage aufkommen lässt, ob der Markt schwächelt. Zeitweise – und auch am vergangenen Samstag – waren es mit vier Ständen weniger als die Hälfte der Stände, die der Markt zu Hochzeiten in der Vergangenheit zu bieten hatte.

Die organisatorische Leitung des Markts hat der Vorsitzende des Schriesheimer Bundes der Selbstständigen, Rolf Edelmann. Verantwortlich für die Facebook-Gruppe ist die Einzelstadträtin der Initiative Schriesheimer Bürger, Liselore "Lissy" Breitenreicher, die jede Woche eine Zusammenfassung über den Markttag und das Angebot bereitstellt.

Edelmann gibt auf RNZ-Anfrage zunächst Entwarnung: "Im Winter fehlen immer Stände, die es nur im Sommer gibt." Er gesteht aber ein, dass vier davon in diesem Frühjahr nicht wieder kommen werden. Das ist erstens der Stand von Dunja Schuh und Lothar Zech, die vor dem Strahlenberger Hof ihre Stauden und andere Pflanzen anboten. "Das ist schade, weil der Stand den Eingang zum Markt sehr belebt hat", findet Breitenreicher.

Zweitens fällt der Stand mit Gewürzen gegenüber weg, der lange zum Markt gehört hatte. Drittens gibt es den Dampfnudelstand, der rund ein Jahr dabei war, nicht mehr, und viertens kann das "Candy Car" aus Personalmangel seine Süßigkeiten nicht mehr anbieten.

Schuh und Zech zogen weg, die Betreiberin des Gewürz-Standes musste ihr Angebot aus privaten Gründen einstellen, und die Betreiberin des Dampfnudelstands am Eingang zur Kirchstraße, die immer aus Frankenthal angereist war, hat einen Markt in ihrer Nähe gefunden, der für sie besser zu erreichen ist. Außerdem kommt der Stand mit Käsespezialitäten wegen Personalmangels nur noch unregelmäßig.

Dafür wurde mit einem Händler aus Mannheim ein zuverlässiger Betreiber des Gemüsestands gefunden, mit dem Edelmann und Breitenreicher rundum zufrieden sind: "Das Angebot ist wunderbar, und der Service ist auch toll. Klar, es sind Marktpreise, also etwas mehr, aber dafür stimmt die Qualität", so die Stadträtin.

Für Edelmann sind die Ausfälle erst mal kein Beinbruch: "Wir sind bei der Produktpalette gut versorgt", findet er und geht davon aus, dass sich Ersatz für die, die nicht mehr kommen, finden wird. Ambitionierter äußert sich Breitenreicher, die gern drei bis vier Stände mehr hätte und bei ihrem Bericht vom Wochenmarkt ins Schwärmen kommt: "Es ist ein toller Platz vor der Kirche, und das Angebot ist qualitativ super."

Vor allem den Blumenstand von Beatrice Scheid und den der Metzgerei Rettig hebt sie hervor. Letzterer ist ihres Wissens nach der Dienstälteste auf dem Schriesheimer Markt, und die Betreiberin sei mittlerweile "ein bisschen die Markt-Chefin" geworden. Ein Pfund in Schriesheim seien auch die Cafés "Mittendrin" und "HandWerk", in denen es zu Marktzeiten immer brummen würde.

Sowohl Edelmann als auch Breitenreicher wünschen sich ein Angebot besonders: "Ein Fischstand fehlt auf jeden Fall noch", sind sich beide einig. Diejenigen mit einem solchen Angebot seien aber vor allem für den Samstag schwer zu finden, da sie dann schon auf anderen Märkten in der Region wie in Heddesheim, Dossenheim oder Ladenburg stehen.

Breitenreicher hat einige Ideen: "Man könnte den Fischstand, der freitags auf dem Festplatz steht, überreden, dass er stattdessen auf den Markt kommt", findet sie, da die alte Regel "Freitags gibt es Fisch" für die meisten ohnehin nicht mehr zähle. Auch den "Eiermann", der unter anderem die örtlichen Bäckereien beliefert, würde sie gern für den Markt gewinnen, und sie hätte nichts gegen ein wechselndes Angebot: "Wir haben viele Winzer und Jäger, die sich mit einem Stand abwechseln könnten. Das würde das regionale Angebot stärken."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung