21.04.2024

Wieder ein neuer Ort für die "Mobile Tafel"

Manuel Wamser von den Tafelläden des DRK-Kreisverbands (l.) macht dienstags im Foyer der Mehrzweckhalle Station. Beim Verkauf der „Mobilen Tafel“ unterstützen ihn Ehrenamtliche. Foto: Dorn
Manuel Wamser von den Tafelläden des DRK-Kreisverbands (l.) macht dienstags im Foyer der Mehrzweckhalle Station. Beim Verkauf der „Mobilen Tafel“ unterstützen ihn Ehrenamtliche. Foto: Dorn

Nun verkauft sie die Lebensmittel im Foyer der Mehrzweckhalle. Zahl der Bedürftigen steigt, Ware ist knapp.

Schriesheim. (hö) Die "Mobile Tafel" ist Provisorien gewöhnt: Erst war sie fünfeinhalb Jahre bis März 2020 im Freien unter den Arkaden der Strahlenberger Schulturnhalle, im Dezember 2020 ging sie ins evangelische Gemeindehaus West (Kurpfalzstraße). Dort war am 6. Februar Schluss, denn das Gebäude wird morgens und nachmittags zu einem Interims-Kindergarten: Hier geht die fünfte Gruppe von "Kunterbunt" (Conradstraße) rein.

Also zog die "Mobile Tafel" ins Foyer der Mehrzweckhalle. Am 14. Februar war der erste Tag, hier verkauft der DRK-Kreisverband Mannheim mit Ehrenamtlichen immer dienstags, also auch heute, von 13 bis etwa 14.30 Uhr Lebensmittel an Bedürftige.

Das erklärt auch den Namen "Mobile Tafel": Man hat nicht, wie anderswo, einen festen Laden. Jeden Dienstag muss Manuel Wamser vom DRK die Tische zur Warenausgabe aufbauen – und vorher natürlich die Ware aus dem Transporter holen (den er selbst gefahren hat). Dann gehen die Ehrenamtlichen Heidrun Burgdörfer, ihr Mann Horst, Lydia Paulat, Ulrike Fleischhacker, Inge Adam, Waltraud Salbinger, Yusra Idris und Royah Ali ans Werk, sogar Alis elfjährige Tochter Atyaf ist mit Feuereifer dabei: "Ich helfe manchmal, mir macht das Spaß."

Idris und Ali haben ihre eigene Motivation zu helfen: "Ich habe viel Zeit. Außerdem will ich Deutsch lernen", sagt Idris. Und Ali meint: "Mein Deutsch soll besser werden. Außerdem suche ich den Kontakt zu den Schriesheimern."

Den hat sie auf jeden Fall zum Helferteam, das im Großen und Ganzen nicht unzufrieden mit der Situation im Mehrzweckhallen-Foyer ist: "Ich würde sagen, es ist sogar besser als im Gemeindehaus West", sagt Heidrun Burgdörfer. "Das Aus- und Einladen geht einfacher." Zumal sie den Raum auch "freier und großzügiger" als vorher findet. Der einzige Nachteil: Hier ist es laut, manchmal versteht man sein eigenes Wort nicht mehr, erklärt Wamser.

Von den Kunden habe sich am neuen Standort nicht so viel geändert: Über 50 waren es am letzten Dienstag. Aber in den letzten Monaten kommen immer mehr. Vor einem Jahr seien es nur im Schnitt 30 gewesen. Allein deswegen wären eigentlich mehr Lebensmittel nötig. Man kann nur das anbieten, was Supermärkte oder Privatspender gerade spenden. Doch gerade die Läden kalkulieren immer knapper, umso mehr freut sich Wamser über zufällige Spenden: mal jede Menge Schokolade oder eine Ladung Kuscheltiere – der Rückläufer einer Kundenaktion.

Aber meist versucht man, ein möglichst breites Angebot gerade an Grundnahrungsmitteln bereitzuhalten, wobei auch nicht alles verkauft wird – weil es den Ernährungsgewohnheiten mancher Kunden nicht entspricht, wie Würstchen aus Schweinefleisch. Manches ist und bleibt Mangelware: "Brot war seit drei Monaten nicht mehr da", hat Horst Burgdörfer beobachtet. Tiefkühlkost gibt es hier mangels Gefriertruhen genauso wenig wie Getränke (wegen der Pfandpflicht).

Rund 140 Personen haben momentan die Berechtigung, hier einzukaufen – und müssen vorher einen Ausweis zeigen. Wahrscheinlich könnten es sogar mehr sein, aber nicht jeder traut sich, auf die Sozialstelle im Rathaus zu gehen und dort seinen Anspruch anzumelden. Tendenziell steigt die Zahl der Berechtigten – wegen der Inflation und der Flüchtlingswellen. Aber es sind nicht nur Flüchtlinge, die hierherkommen, "auch Einheimische und sogar Altenbacher", so Wamser.

Die Käufer dürfen auch nicht alle auf einmal in den Laden, der Zutritt wird ausgelost; der Rest muss in dem schmalen Windfang zwischen den Eingangstüren warten. Für den Kauf zahlt man pauschal fünf Euro. Die Kunden seien "oft freundlich", sagt Horst Burgdörfer, manche würden sich aber beschweren, wenn etwas ausverkauft ist. Seine Frau Heidrun berichtet: "Heute hatten wir sechs Kartons Eier. Wie soll ich die an 35 Kunden verteilen?"

Für die beiden Schülerpraktikantinnen Finja Hiller und Maxima von Rüdgisch-Ballas war der Nachmittag in der "Mobilen Tafel" eine besondere Erfahrung: "Das ist eine gute Möglichkeit zu helfen. Und man sieht, dass es nicht nur Reiche bei uns gibt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung