21.05.2024

Volker Paul ist tot

Volker Paul machte sich um die Polizei und seine Heimatstadt Schriesheim verdient. Foto: Dorn
Volker Paul machte sich um die Polizei und seine Heimatstadt Schriesheim verdient. Foto: Dorn

"Ich will nur wissen, wie es geht". Der Gründer der Markus-Paul-Stiftung und des Weihnachtsdorfes starb mit 80 Jahren.

Schriesheim. (hö) Er war ein unermüdlicher Kämpfer für die Sicherheit der Polizisten und aller Rettungskräfte. Und seine Heimatstadt Schriesheim beschenkte er mit dem "Weihnachtsdorf", einem Weihnachtsmarkt der besonderen Art, das er seit 2005 organisiert hatte. Nun ist Volker Paul am 22. April mit 80 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben.

Ein Wendepunkt in Volker Pauls Leben war jener 11. Dezember 1998, als sein Sohn Markus – wie sein Vater Polizist beim Polizeipräsidium Mannheim – bei einem Einsatz getötet wurde. Ein 16-Jähriger brach in den "Real"-Markt in Sandhofen ein, so wurden zwei Polizisten samt Diensthund alarmiert; inzwischen hatte sich der Jugendliche ein Messer im Geschäft gesucht und lauerte den Beamten auf. Zunächst stach er auf den Hund ein, dann auf den Hundeführer, dem seine Schutzweste wohl das Leben rettete, und schließlich auf Markus Paul, der schwer verletzt noch auf den Täter schoss.

Während der überlebte, wurde Markus Paul mehrfach reanimiert, erlag aber seinen Verletzungen. Er wurde 32 Jahre alt und hinterließ eine Frau sowie eine vier Monate alte Tochter. Die Anteilnahme in der Bevölkerung war groß: Zu einem Trauermarsch in der Mannheimer Innenstadt kamen Tausende. Der Täter wurde zur Jugendhöchststrafe von zehn Jahren verurteilt und kam 2009 frei.

Seitdem forderte Volker Paul unermüdlich Schutzwesten für alle Polizisten und gründete 2001 die nach seinem Sohn benannte Markus-Paul-Stiftung, um die Hinterbliebenen von Rettungskräften, die durch jugendliche Täter schwer verletzt oder getötet werden, zu unterstützen.

Mittlerweile wurden etliche Hunderttausend Euro gesammelt: 2015 trommelte Volker Paul für eine Spendenaktion zugunsten der Frau und der vier Kinder eines Polizisten, der an Heiligabend 2014 in Herborn von einem Betrunkenen mit einem Messer angegriffen wurde und starb: 200.000 Euro kamen damals zusammen.

Das Weihnachtsdorf hängt auch mit der Markus-Paul-Stiftung zusammen: Volker Paul hatte es deswegen organisiert, um der Stiftung zu regelmäßigen Einnahmen zu verhelfen, schon vorher gab es in Schriesheim für denselben Zweck große Polizeischauen. Doch erst das Weihnachtsdorf, dessen unermüdlicher Organisator Volker Paul war, wurde zu einer beliebten Dauereinrichtung. Als seine Gesundheit schwächer wurde, legte er es im letzten Jahr in die Hände der Freien Wähler – und war erleichtert, diesen Teil seines Lebenswerks, sein Herzensanliegen, gesichert zu haben.

Stets an seiner Seite war seine Frau Christel, die er seit 60 Jahren kannte und mit der er seit 57 Jahren verheiratet war. Sie sagt über die vielen gemeinsamen Jahre: "Wir haben so vieles gemeinsam durchgestanden. So etwas schweißt zusammen, man ist dann nur noch eins." Volker Paul sei "immer für alle da gewesen". Und wenn er mal an Grenzen gestoßen sei, habe er gesagt: "Ich will nicht wissen, dass es nicht geht, sondern wie es geht." Seine Energie und Durchsetzungskraft beeindruckten auch den damaligen Innenminister Thomas Schäuble.

Der bot Paul an, er könne ihn jederzeit anrufen. Denn Paul kämpfte ja nicht für sich, sondern für seine Kollegen.

Volker Paul war ein waschechter Schriesheimer: "Er wurde in dem Haus geboren, in dem er auch starb", sagt seine Frau Christel. Paul war gelernter Werkzeugdreher und kam mit 17 Jahren auf die Polizeischule in Biberach, später durchlief er mehrere Stationen bei der Mannheimer Polizei. Am 28. Februar wollte er seinen 80. Geburtstag feiern, er war tags zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Am 24. Mai sollte eigentlich nachgefeiert werden – mit seinen alten Mitstreitern: dem Opernsänger Johannes Groß, der Schriesheimer Band "Gardenparty" und den Heidelberg District Pips & Drums". Das Dudelsackensemble, ein fester Programmpunkt beim Weihnachtsdorf, will auch zur Trauerfeier am Freitag, 17. Mai, kommen (14.30 Uhr, Friedhof). Es wird um Spenden für die Markus-Paul-Stiftung gebeten (IBAN: DE41.6709.2300.0033 5034 58).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung