Beim kommunalpolitischen Spaziergang der SPD ging es um integrierte Flüchtlinge, ein halbfertiges Familienheim-Projekt und ein neuer Ort für den Bolzplatz.
Von Micha Hörnle
Schriesheim-Altenbach. Die Themen und Brennpunkte erwandert man am besten – und das ist auch die Idee hinter dem "Kommunalpolitischen Spaziergang" der SPD – eine Veranstaltungsreihe, die es seit dem letzten Jahr gibt. Am Montagabend war zum ersten Mal Altenbach dran.
Flüchtlingsheim "Bellevue": Ein bisschen ist es hier so wie beim "Edelstein": Als bekannt wurde, dass der Kreis im ehemaligen Hotel eine Flüchtlingsunterkunft einrichten will, waren die Befürchtungen der Anwohner groß. Nun konnte SPD-Ortschaftsrätin Karin Malmberg-Weber bei dieser ersten Station des Rundgangs "kein negatives Wort über die Leute hier sagen. Sie sind freundlich und grüßen. Das Miteinander funktioniert."
Es gebe allerdings von den Häusern im gegenüberliegenden Birkenweg ab und an Beschwerden, wenn im "Bellevue" gefeiert wird. Ortschaftsratskandidat Rötger Schellhammer berichtete, dass die neuen Bewohner sich um Integration bemühen, einige ließen sich bereits in der Johannesgemeinde taufen. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Patrick Schmidt-Kühnle war über diese Nachrichte durchaus erleichtert, fand aber die Unterkunft doch ziemlich abgelegen. Wie man hörte, sei das Haus mit 80 Bewohnern voll belegt.
Auch in der Röschbachstraße liegt das einstige "Studio Heidelberg", die Produktionsfirma der beliebten ZDF-Kindersendung "Löwenzahn". Auch wenn die meisten Außenszenen mit Peter Lustig in Berlin gedreht wurden, stand dessen Wohnwagen auch hin und wieder im Altenbacher Wald, wie sich Stadträtin Renate Hörisch-Helligrath erinnerte.
Ortschaftsratskandidat Klaus Jörder fand, man könne doch einen Ort in Altenbach nach Peter Lustig benennen – wenn schon in Schwäbisch Gmünd ein Freibad den Namen des Schauspielers Bud Spencer trägt. Hörisch-Helligrath hatte gleich eine Idee: "Den Spielplatz!"
Familienheim-Häuser im Fichtenweg: Nach acht Jahren Diskussion stehen nun vier Doppelhäuser der Baugenossenschaft Familienheim. Ende 2016, Anfang 2017 gab es heftigen Widerstand, vor allem der Grünen Liste, gegen eine Bebauung, die viel massiver und verdichteter geplant war: Die Familienheim wollte hier 19 Einfamilienhäuser für Familien errichten, später wurden daraus 16 und schließlich 15.
Der Bebauungsplan sah allerdings nur neun vor. Und die durften auch nur eingeschossig sein, das Unternehmen plante damals aber mit zwei (wie jetzt auch die Doppelhäuser ausgefallen sind). Wie Malmberg-Weber sagte, war es "mühsam, die Häuser zu verkaufen", für längere Zeit tat sich bei den Rohbauten nichts.
Sie wies auf einen Umstand hin, der vor sieben Jahren keine große Rolle spielte: Die Häuser müssen ihren Angaben zufolge 15 Meter Abstand zum Wald einhalten: "Das wurde nun so gelöst, dass der Wald abgeholzt wurde", sagte sie und zeigte auf die Baumstümpfe oberhalb der beiden Doppelhäuser.
SPD-Gemeinderatskandidatin Eva-Maria Rother fand diese Art der Bebauung "extrem mutig": "Ich hätte Angst vor einem rutschenden Hang." Allerdings fand Malmberg-Weber – wie auch damals Ortsvorsteher Herbert Kraus: "Wir brauchen schon neue Häuser, denn wir brauchen Zuzug im Dorf."
Möglicher Bolzplatz im Alten Kirchenweg: Am Buswendeplatz – momentan wegen des Baus der barrierefreien Haltestelle gesperrt – zweigt der Alte Kirchenweg von der Neuen Anlage ab. Am Wendehammer, der dann in ein verwildertes Grundstück voller Springkraut übergeht, fließt der Bestbach. Malmberg-Weber hält das für den geeigneten Ort für einen Bolzplatz, den Altenbacher Kinder noch nicht haben (und dann eben im Schulhof kicken).
Sie hat auch mit dem Besitzer des Grundstücks gesprochen: Er wäre bereit, es an die Stadt zu verkaufen; auch mit Förster Walter Pfefferle hat die Ortschaftsrätin gesprochen: Der sagte ihr, dass es in keinem Schutzgebiet liege. Sie brachte die Idee auch vor einem Dreivierteljahr im Ortschaftsrat ein, doch der war "nicht sehr begeistert" von ihrer Idee – angeblich aus Gründen des Landschaftsschutzes: "Wieder nichts für unsere Kinder."
Schmidt-Kühnle fand hingegen: "Das mit dem Bolzplatz an diesem Ort lässt sich doch lösen. Man muss es nur wollen." Man bräuchte hier am Ende des Alten Kirchenwegs auch kein allzu großes Grundstück: "Das muss kein normgerechter Fußballplatz werden", so Malmberg-Weber.
Der alte Zankapfel Spielplatz: Der neue Weg zur angrenzenden Wiese ist mittlerweile gebaut, die Spielbereiche sind geplant – aber mit ihrer Aufteilung hadert Malmberg-Weber: "Der Ort für den Sandkasten ist nicht gut", denn der gehöre unter den Baum. Dort soll aber laut Planung der Kletterturm stehen. Und im linken hinteren Eck schließlich der Matschbereich.
Den sieht die Ortschaftsrätin eher im vorderen Bereich – was den Vorteil hätte, dass man eine deutlich kürzere Wasserleitung bauen müsste. Zumindest den Teilnehmern des Rundgangs erschien das sinnvoll. Natürlich ging Malmberg-Weber auf die heftigen Debatten im Ortschaftsrat ein, die natürlich auch Hörisch-Helligrath erlebt hatte, die aber jetzt einen Schlussstrich ziehen möchte: "Ich hoffe, dass es bald losgeht."
Die ungelöste Feuerwehr-Standortfrage: So richtig eine Idee, wo das Gerätehaus hinsoll, hatte niemand. Natürlich bietet sich der Buswendeplatz und/oder die Wiese nebenan an. Doch der Stadt fehlen die entscheidenden Grundstücke – von der Wiese ganz zu schweigen. Direkt gegenüber liegen die Fahrzeughallen von Bernd-Bau, die die Freien Wähler vorgeschlagen haben, die die Feuerwehr aber als nicht normgerecht ablehnt. Malmberg-Weber fordert, von Anfang an Kreisbrandmeister Udo Dentz in alle Planungen mit einzubeziehen.
Denn dessen Urteil hatte dafür gesorgt, dass die Feuerwehrhalle in der Hauptstraße 28 vom Tisch kam (da ebenfalls nicht normgerecht). Generell plädiert sie "für eine zukunftsfähige Lösung": "Alles, was provisorisch ist, kostet am meisten Geld." Und ganz will sie nicht von ihrer alten Idee eines Neubaus im Gewann Katzensäuf, also am Ortseingang Richtung Schriesheim.
Was es heute nicht mehr gibt: Auf dem Weg vom Buswendeplatz zur Ortsmitte griff Jörder zur Gitarre und sang zur Melodie des Fünfziger-Jahre-Schlagers: "Das alte Haus von Rocky Docky": "Keine ,Rose’ und kein ,Löwe’, auch den ,Adler’ gibt’s nicht mehr.
Dafür rollt jetzt umso besser durch das Dorf der Schwerverkehr." Und er erinnerte an die einstigen Lokale, das legendäre Kaufhaus Gutfleisch, den Kurzwarenladen, den Metzger und Gemüsehändler, den Schuhladen und die Verluste der letzten Jahre: den Supermarkt von Hermann Pröll sowie die Volksbank und die Sparkasse. Tröstlicher war es dann an der Ortsmitte: "Das ist eine positive Entwicklung, die wird gut angenommen. Das muss man auch mal sagen, wenn es immer heißt, was in Altenbach alles fehlt", fand Hörisch-Helligrath.
Was definitiv fehlt, ist für Schmidt-Kühnle, der per E-Bike zum Rundgang gekommen war, der Radweg nach Schriesheim. "Der ist zwar im Radwegprogramm des Kreises und des Landes drin, aber da mahlen die Mühlen noch langsamer", erklärte Malmberg-Weber.
