22.05.2024

Beim Übungsbrand dauerte es eine Stunde, bis das Wasser floss

Die Feuerwehrleute „löschten“ bei der Waldbrandübung am Samstag ein fiktives Feuer unterhalb des Schöneichenwegs im Schriesheimer Stadtwald. Foto: bub
Die Feuerwehrleute „löschten“ bei der Waldbrandübung am Samstag ein fiktives Feuer unterhalb des Schöneichenwegs im Schriesheimer Stadtwald. Foto: bub

Auch die Wehren aus der Nachbarschaft übten die Waldbrandbekämpfung. Mehr Laubbäume sollen die Feuergefahr eindämmen.

Von Filip Bubenheimer

Schriesheim. Die Verkehrshütchen, die am Samstag am Rande von Wegen in den Stadtwald lagen, waren ordnungsliebenden Wanderern vielleicht ein Dorn im Auge. Doch es war besser, die weiß-orangenen Pylonen nicht aufzurichten, sondern liegenzulassen. Denn mit den Plastik-Kegeln markiert die Feuerwehr bei einem Waldbrand die Richtung, in der sie die Wege befährt – ein System, das auch bei einer Übung am Wochenende zum Einsatz kam. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich plötzlich zwei Löschfahrzeuge auf einem schmalen Waldweg gegenüberstehen.

Oberhalb des Rückhaltebeckens probte die Schriesheimer Wehr am Samstagnachmittag zusammen mit Wehren aus den Nachbargemeinden die Bekämpfung eines Bodenfeuers. Insgesamt waren rund 130 Einsatzkräfte mit 26 Fahrzeugen angerückt. Am besten kam das Schriesheimer Quad-Motorrad im Wald voran; unablässig bretterten die Feuerwehrleute damit durch den Forst, um die Lage zu erkunden oder ihre Kameraden an die richtige Stelle zu lotsen.

Laut dem Übungsszenario loderte das "Feuer" auf rund einem Hektar am Schöneichenweg – Flammen und Rauch mussten sich die Einsatzkräfte allerdings in ihrer Fantasie ausmalen. Denn zu Übungszwecken einen Brand zu legen, das "muss nicht unbedingt sein", sagte der Schriesheimer Kommandant Oliver Scherer. Als man – vor langer Zeit – zuletzt im Wald ein solches "Übungsfeuer" gelegt habe, breitete es sich dann doch weiter aus, als beabsichtigt. Mittlerweile lasse man es lieber bleiben.

Die Schriesheimer Wehr probt die Waldbrandbekämpfung jedes Jahr. Dieses ohnehin anstehende Training wurde am Wochenende mit der jährlichen Übung des gesamten Feuerwehr-Unterkreises verbunden. Deren Gastgeber wechselt jedes Mal; in diesem Jahr waren die Schriesheimer an der Reihe und empfingen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Dossenheim, Ladenburg, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim und Ilvesheim sowie von der Werksfeuerwehr der chemischen Betriebe in Ladenburg. Eine wichtige Herausforderung bei der Übung sei es, "wie wir ortsfremde Kräfte koordinieren", erklärte Einsatzleiterin Lisa Krämer. Die stellvertretende Schriesheimer Kommandantin hatte ihre Führungszentrale, inklusive Flipchart, auf dem Wanderparkplatz am Rückhaltebecken aufgebaut. Die Einsatzkräfte hätten Lagepläne erhalten, berichtete Krämer; außerdem würden für alle Aufgabenbereiche auch ortskundige Kräfte eingeteilt.

Vor allem ging es aber um den Aufbau der Löschwasserversorgung. Die ersten paar Tausend Liter Wasser hatten die Wehren in ihren Tanklöschfahrzeugen mitgebracht. Um sie wieder aufzufüllen, wurde ein Pendelverkehr zwischen Hydranten in Wilhelmsfeld und dem Einsatzort eingerichtet. Mehr als 10.000 Liter seien bei der Übung so herangeschafft worden, erläuterte der Dossenheimer Kommandant Stefan Wieder.

Außerdem legten die Feuerwehrleute entlang der Wege eine kilometerlange Schlauchleitung vom Einsatzort bis zum Rückhaltebecken des Kanzelbachs. Eine gute Stunde dauerte es, bis Wasser durch diese Leitung floss. "Wir brauchen insgesamt fünf Pumpen, um das Wasser an die Einsatzstelle hochzubringen", erläuterte Oliver Scherer. "Wenn die Wassermenge ausreicht, wird der Pendelverkehr eingestellt."

Auch Förster Michael Jakob verfolgte die Übung. Einen Waldbrand habe er in Schriesheim in seinen rund 32 Dienstjahren noch nicht erlebt. Lediglich an einen Zündler, der aber kaum Schaden anrichtete, erinnere er sich. Im Brandfall spielten die Förster eigentlich keine Rolle, so Jakob. Sie achteten vor allem darauf, dass die Wege für die Feuerwehr befahrbar seien. Langfristig bemühe sich das Forstamt darum, den Wald zu einem Laubwald umzubauen, der auch weniger brandanfällig sei.

Insgesamt sei es "schön zu sehen, wie alles funktioniert hat", berichtete Krämer am Ende der gut zweistündigen Übung den Beobachtern, unter denen neben Bürgermeister Christoph Oeldorf einige Stadträte waren. Mögliche Schwachstellen habe man entdeckt, sagte Krämer, etwa das Auftreten von Funklöchern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung