17.04.2024

Seit 50 Jahren in Schriesheim: Kinderheim auf dem Kohlhof "war immer etwas Besonderes"

Zum Jubiläum hatten die Kinder eine kleine musikalische Zugabe einstudiert. Foto: Dorn
Zum Jubiläum hatten die Kinder eine kleine musikalische Zugabe einstudiert. Foto: Dorn

Zur Jubiläumsfeier kamen auch viele Ehemalige. Fünf Mitarbeitende kümmern sich hier 24 Stunden am Tag um die Belange der Kinder.

Von Maria Stumpf

Schriesheim-Altenbach. Hier wird Großfamilie gelebt: Das Kinderheim Sankt Josef auf dem Kohlhof feierte sein 50. Jubiläum als Außenwohngruppe der gleichnamigen Kindereinrichtung in Mannheim.

"Das ist eine außerordentliche Leistung an einem außergewöhnlichen Ort", überbrachte Fadime Tuncer als stellvertretende Bürgermeisterin die Grüße der Stadt. Das Kinderheim sei bekannt und geschätzt als "ein Zuhause mit viel Geborgenheit". Jürgen Hoffmann und Petra Weber von der Einrichtungsleitung begrüßten zahlreiche Gäste zur Jubiläumsfeier, darunter auch ehemalige Bewohner und Mitarbeitende.

Idylle pur am Waldrand, Schaukel und Tischtennisplatte, Kinderspielgeräte, Gartenhäuschen und viel Platz im Einfamilienhaus: Seit drei Jahren lebt die zwölfjährige Ilayda aus Mannheim hier. Ist es nicht ein bisschen einsam hier oben auf dem Berg? "Nee", meint sie: "In der Stadt war es immer so laut und hektisch." Sie geht in die Realschule nach Schriesheim, hat Freunde in Altenbach und ist ins Vereinsleben integriert. "Ich mag’s hier", sagt das Mädchen.

Mit viel Engagement kümmern sich fünf Mitarbeitende darum, dass es den Kindern und Jugendlichen gut geht: 24 Stunden täglich im Schichtdienst. "Die Arbeitszeiten gestalten wir flexibel. Wir suchen immer nach Lösungen, die für die Kinder die besten sind", betont Gruppenleiter Claus Riester. Er wohnt in Ilvesheim und arbeitet seit 27 Jahren vor Ort. Acht Jungen und Mädchen finden in dem Gebäude ein zweites Zuhause, zurzeit leben sechs Kinder hier.

Durch die Verbindung von Alltagserleben und bei Bedarf therapeutischen Angeboten werde die Entwicklung der Kinder gefördert, erklärt er den pädagogischen Ansatz des Kinderheims. "Wobei sie in die Planung und Koordinierung des gemeinsamen Lebens intensiv einbezogen werden." Grundsätzlich sehe die Konzeption des Hauses eine längerfristige Unterbringung vor. "Mindestens ein Jahr, manchmal sogar bis zur Volljährigkeit."

Zum Gratulieren sind auch Gemeindereferentin Iris Reinhardt von der katholischen Kirchengemeinde Schriesheim-Dossenheim und Ingrid Kritsch als Vorstandsmitglied des St.-Josef-Kinderheims in Mannheim gekommen. "Dieses Haus war immer etwas Besonderes", erinnert Kritsch an frühere Zeiten, als es "quasi als ruhige Ergänzung zu unserem quirligen Haupthaus" genutzt worden sei und "Ferien in ländlicher Umgebung" auf dem Programm gestanden habe. Bis in die späten 1980er-Jahre waren nur Kinder bis zum Eintritt ins Schulalter hier untergebracht, die Versorgung auch mit Lebensmitteln lief komplett über das Mannheimer Haupthaus. Statt Kinderzimmer gab es damals noch zwei große Schlafräume.

An diese Zeiten erinnert sich auch noch Margit Rehberger und nickt lächelnd. Seit Jahresbeginn in Rente, war sie zuvor 44 Jahre im Kinderheim die Einrichtungsleiterin. "Das Eigenständige des Hauses" habe ihr immer sehr gut gefallen, auch die Möglichkeiten, individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können. "Es war und ist ein behütender Raum." In all den Jahren habe sie im Kinderheim wohl bis zu 90 Kinder betreut, schätzt sie. "Dabei waren herausfordernde Kinder und auch weniger herausfordernde. Aber es war immer ein wunderbares Arbeiten und gemeinsames Leben", sagt sie.

Während die Kinder eine kleine musikalische Zugabe präsentierten, die sie zusammen mit Kinderheimmitarbeiter Simon Kulick einstudiert hatten, liefen auf einer Leinwand Bilder aus 50 Jahren Kinderheim-Geschichte. Das hatte durchaus Erkennungswert mit Spaßfaktor und freute wohl nicht nur die alten, sondern auch die jungen Menschen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung