22.05.2024

Schriesheimer Weihnachtsdorf: Gerettet und jetzt eröffnet

Am ersten Abend des Weihnachtsdorfs trat der Römerstraßen-Kindergartenkinder auf. Foto: Dorn
Am ersten Abend des Weihnachtsdorfs trat der Römerstraßen-Kindergartenkinder auf. Foto: Dorn
Auch der Weihnachtsmann war da – bei dem die Kinder jetzt besonders brav waren. Foto: Dorn
Auch der Weihnachtsmann war da – bei dem die Kinder jetzt besonders brav waren. Foto: Dorn
Marc Hartmann (Freie Wähler, M.), Joachim Müller (Verkehrsverein, l.) und Bürgermeister Christoph Oeldorf eröffneten das Weihnachtsdorf. Foto: Dorn
Marc Hartmann (Freie Wähler, M.), Joachim Müller (Verkehrsverein, l.) und Bürgermeister Christoph Oeldorf eröffneten das Weihnachtsdorf. Foto: Dorn

Auch mit den neuen Organisatoren ist eigentlich fast alles so wie immer. Auch Volker Paul, der die Veranstaltung 2005 ins Leben rief, ist zufrieden.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das 16. Weihnachtsdorf ist am späten Freitagnachmittag eröffnet worden – dabei war es gar nicht sicher, dass es eine Wiederauflage erleben würde, schließlich hatte sich der bisherige Organisator Volker Paul gesundheitsbedingt zurückgezogen.

Doch bekanntlich sprangen die Freien Wähler ein, denen der Verkehrsverein zur Seite stand. Daran erinnerte kurz der Freie-Wähler-Vorsitzende Marc Hartmann, als er auf der Bühne stand, um sich bei den Vereinen und Helfern zu bedanken.

Denn dieses Weihnachtsdorf ist eben kein kommerzieller Weihnachtsmarkt wie anderswo, sagte Hartmann im Gespräch mit der RNZ: "Es ist vielleicht nicht alles so perfekt wie auf den Weihnachtsmärkten, aber alles handgemacht."

Auch Bürgermeister Christoph Oeldorf sprach von einer "wunderbaren, lieb gewonnenen und wertvollen Tradition", als er die kleine Budenstadt mit ihren 14 Ständen eröffnete. Und auch er war erleichtert, dass es nun weitergeht: 18 Jahre nach dem ersten Weihnachtsdorf war es "auch für die Stadtverwaltung nicht vorstellbar, dass es nicht mehr stattfindet".

Denn gerade wegen der großen Beteiligung der Vereine sei es "ein Riesentreffpunkt für die Schriesheimer" – und deswegen auch ein besonders familiärer Ort. Das sieht auch Felix Hörisch so, der mit dem Weihnachtsdorf groß geworden ist: "Genau so etwas macht Schriesheim aus. Gut, dass es hier weitergeht."

Ähnliches ist auch René Shore aufgefallen, der eigentlich Berliner ist und vor zehn Tagen von Heidelberg nach Schriesheim gezogen ist. Er erlebte diese Veranstaltung das erste Mal und meint: "Das ist schön und gemütlich hier, sehr familiär."

Das merkt man allein schon an den Ritualen der Eröffnung: Da treten zuerst die Kindergartenkinder aus der Römerstraße auf, dann kommt der Weihnachtsmann (um dessen Identität immer ein großes Geheimnis gemacht wird). Die Kinder sangen sich wie immer die Seele aus dem Leib – wie sie es schon eine Woche zuvor beim ersten Fenster des Lebendigen Adventskalenders getan hatten.

Wobei der Auftritt gestern der prestigeträchtigere war: "Die Kinder sind immer richtig stolz, auf der Bühne zu stehen – und sagen das auch so ihren Eltern", erklärte die stellvertretende Kindergartenleiterin Bianca Fabian.

Nach ihren vier Liedern mussten die Erzieherinnen auch schon gleich wieder weiter: Sie haben nämlich selbst einen Essensstand, dessen Spezialität ein Hamburger namens "Mc Römi" ist. "Na, der ist doch lecker?", meinte am Stand Leiterin Nina Hagloch. Ja, ist er!

Der heimliche Star des Abends ist aber der Nikolaus. Der weiß genau, wie er die Kinder bei der Stange und bei Laune hält – und die fügen sich ohne Widerstand seinen Anweisungen, bekommen dafür auch eine Kleinigkeit aus dem Sack.

Die fünfjährige Luana hat sich eine Orange und ein Schokoherz geangelt und ist zufrieden. Wie findet sie selbst das Weihnachtsdorf? "Cool, ich mag vor allem die Plätzchen und die Tiere." Für die sorgte in diesem Jahr wieder Ignaz Holdernig mit seiner "Lebendigen Krippe", ohne die das Weihnachtsdorf kein richtiges wäre.

Luana ist ein kleiner Schriesheimer Weihnachtdorf-Profi, sie hat auch mit der Tütenaktion von "Schriesheim neu entdecken" mitgemacht, wie ihre Mutter Anja berichtet. Der Nikolaus kann "über die Schriesheimer Kinder nur Bestes berichten". Die seien "alle gut erzogen, die Stadt hat sie geprägt". Die Arbeit mit den Kindern mache "absolut Spaß", deswegen kommt er an fast jedem der sechs Weihnachtsdorftage vorbei.

Natürlich war auch Ex-Organisator Paul unter den Gästen. Er war "überrascht, dass alles in so kurzer Zeit geklappt hat", anfangs hatte er ja Zweifel: "Nun hoffe ich, dass es in meinem Sinne unter anderer Führung und mit neuen Ideen weitergeht."

Und er ist guter Dinge, dass sein Lebenswerk "Weihnachtsdorf" weitergeführt wird. In Sachen Tennisclub hat er auch eine Meinung: "Der war schon immer ein Problemkind. Da half man kaum beim Aufbau, auch sonst wurde mehr angekündigt als umgesetzt."

Und vor allem könne er sich nicht vorstellen, dass der Verein bei gut 1000 Bratwürsten, die Ehrenamtler braten, groß drauflegen müsse. Aber die Querelen der letzten Woche waren kein großes Thema mehr, denn Reza Pazoki von der "Perseria" stand brutzelnd im Würstchenwagen.

Nach der Eröffnung war auch Hartmann erleichtert: "So soll es sein: Der Platz ist gut gefüllt, an allen Ständen ist was los, die Kinder springen herum – und es regnet nicht. Wenn das dieses und das nächste Wochenende so bleibt, bin ich zufrieden."

Copyright (c) rnz-online
Autor: Rhein-Neckar-Zeitung