15.04.2024

Gasthaus "Hirsch" öffnet dank anonymem Investor wieder

Michael Adamietz übernimmt nach einem halben Jahr in anderen Jobs wieder die Betriebsleitung im „Hirsch“. Foto: Dorn
Michael Adamietz übernimmt nach einem halben Jahr in anderen Jobs wieder die Betriebsleitung im „Hirsch“. Foto: Dorn

Mit Michael Adamietz kehrt das langjährige "Gesicht" des Traditionslokals wieder zurück. Der Vertrag ist unterschrieben, im Haus wird saniert.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es geht also doch weiter im "Hirsch": Am Donnerstag unterschrieb der zukünftige Pächter mit Eigentümer Peter Bausback die Verträge, und schon im März soll es wieder losgehen. Dabei war es für viele Schriesheimer, vor allem die Vereine, erst einmal ein Schock, als bekannt wurde, dass die Traditionsgaststätte mit ihrem großen Saal zum Jahresende schloss – und nicht wenige befürchteten einen längeren Leerstand.

Doch ziemlich überraschend bahnte sich in den letzten zehn Tagen eine Kehrtwende an: Michael Adamietz, seit zehn Jahren als De-facto-Betriebsleiter das "Gesicht" des Lokals, hatte schon vor einem Monat angedeutet, dass er immer noch Interesse an seinem "Baby" habe – wenn auch nicht als Pächter.

Er brauchte also eine Art "Investor", weil ihm die finanziellen Mittel für den Betrieb des "Hirsch" fehlen. Zunächst hatte er einige Interessenten an der Hand, doch die sprangen wieder ab. Bis sich nun ein Wilhelmsfelder fand, der als Freund des Hauses an dessen Fortbestand interessiert war.

Der Investor will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, aber er verfügt über eine lange Erfahrung in der Gastronomie. Und der wollte sich in Schriesheim nur mit Adamietz engagieren: "Dem ,Hirsch’ zuliebe steige ich ein. Ohne Adamietz würde ich es nicht machen, er ist das Gesicht des Hauses."

Er selbst bezeichnet sich als "Stammgast" im "Hirsch", er müsse das Restaurant samt Hotel nicht unbedingt übernehmen, aber mit Adamietz sei er überzeugt, dass es eine runde Sache werde: "Wir alle haben Bock drauf." Und auch Adamietz will wieder nach einer kurzen Station im benachbarten "Kaiser" und einem neuen Job in einem Wilhelmsfelder Lokal zurück an seine alte Wirkungsstätte: "Ich habe mein Herz im ,Hirsch’ verloren. Und zehn Jahre kann man ja nicht so einfach wegwischen."

Der Wilhelmsfelder wird also Pächter – will aber "im Hintergrund bleiben" –, Adamietz Geschäftsführer. Die Verträge, die nun unterschrieben sind, geben eine langfristige Perspektive: Die Pacht läuft über fünf Jahre, aber der Plan ist, zehn Jahre dabeizubleiben: "Entsprechend investieren wir gerade", so der Wilhelmsfelder.

Tatsächlich wird im Lokal gerade richtig rangeklotzt: Der Küchenboden ist herausgerissen, alles wird auf den neuesten Stand gebracht. Auch das undichte Dach – es lief ständig Wasser in den Saal rein – wurde jetzt abgedichtet, auch die Heizung funktioniert wieder.

Offenbar ist Eigentümer Bausback gerade dabei, den Sanierungsstau, über den sich schon die früheren Pächter Jürgen Opfermann und Fabian Gieser beschwert hatten, endlich anzugehen. Art und Umfang der Arbeiten wurden sogar vertraglich festgelegt. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagt Adamietz, "es wird gerade alles gemacht, was notwendig ist."

Vor allem sind sich Adamietz und der Wilhelmsfelder Investor einig, dass sich am "Hirsch" nichts ändern soll: Die Küche bleibt, wie von den Gästen gewünscht, deutsch: "Das fehlt in Schriesheim massiv – und diese gute, ehrliche Küche ist der ,Hirsch’", so Adamietz. Nur beim Mobiliar im Gastraum (und vielleicht auch im Saal) wird es Änderungen geben: Mit neuen Tischen und Stühlen will er "moderner und zeitgemäßer" werden.

Etwas ungewisser ist die Zukunft der im vorletzten Sommer eröffneten Tapas-Bar. Längerfristig kann sich Adamietz eine Weinbar vorstellen, aber jetzt wolle er "peu à peu" vorgehen und erst Restaurant plus Hotel an den Start bringen.

Ginge es nach ihm, soll am zweiten Mathaisemarkt-Samstag, 11. März, der Saal erstmals wieder aufmachen, wenn die Band "Gonzo’s Jam" spielt. Am Wochenende drauf, ab 17. März, soll das Restaurant folgen: "Das ist unser Plan", so Adamietz, "aber keiner kann sagen, was bis dahin passiert – zum Beispiel wegen der Lieferzeiten." Und was ist mit dem Personal, das es ja fast kaum gibt? Mit einem Koch ist er in Gesprächen, ein Gutteil des alten "Hirsch"-Serviceteams will auch wieder zurückkommen.

Einen Testballon hat Adamietz schon in den sozialen Medien steigen lassen: Am Dienstag stellte er das "Hirsch"-Logo auf seine Facebook-Seite. Und bekam jede Menge Reaktionen, erleichterte bis euphorische: "Ist total irre", so der 51-Jährige.

Copyright (c) rnz-online
Autor: Rhein-Neckar-Zeitung