02.03.2024

Demo für Demokratie: 500 Schriesheimer setzten ein Zeichen

Auf dem Anton-Geiß-Platz war kein Durchkommen mehr. Sogar Kamerateams vom Fernsehen waren gekommen, um die Veranstaltung zu begleiten. Foto: Dorn
Auf dem Anton-Geiß-Platz war kein Durchkommen mehr. Sogar Kamerateams vom Fernsehen waren gekommen, um die Veranstaltung zu begleiten. Foto: Dorn

Viele kamen, um sich mit "Gemeinsam für Demokratie Schriesheim" gegen Rechtspopulismus zu stellen.

Schriesheim. (max) Zwar etwas später als in den großen Städten des Landes, doch für einen Ort wie Schriesheim nicht weniger beeindruckend, wurde am Montagabend in der Weinstadt Flagge gezeigt. Rund 500 Menschen trafen sich am Anton-Geiß-Platz, um gegen Rechtspopulismus und Demokratiefeindlichkeit aufzustehen.

Aufgerufen hatte zu dem Treffen die Initiative "Gemeinsam für Demokratie Schriesheim" (GfD). Hier haben sich, wie Jan Bruening aus dem Organisationsteam berichtete, mittlerweile "rund 20 Gruppen und engagierte Personen" organisiert.

Der Anlass war das Bekanntwerden von Plänen zur Deportation von Menschen nach rassistischen Kriterien, die durch das Netzwerk "Correctiv" öffentlich gemacht worden waren. Dieses berichtete von einem Treffen von Rechtsradikalen, deren Mäzenen, der AfD, aber auch Mitgliedern der Werteunion und damit der CDU. Der Bericht hat eine bundesweite Welle an Demonstrationen gegen dieses Vorhaben ausgelöst.

So auch in Schriesheim, wo nicht nur die Anzahl der Teilnehmer klar zeigte, dass sich die Stadtgesellschaft gegen Rassismus und Demokratiefeindlichkeit stellt, sondern auch die zehn sehr unterschiedlichen Redebeiträge, die doch alle gemein hatten, dass sie zeigten, dass die Schriesheimer sich immerhin in dieser Frage nicht spalten lassen und zusammen füreinander einstehen, egal welcher Herkunft ihre Mitbürger sind oder welcher Religion sie angehören.

Angefangen bei Bruening, der das vielfach zitierte und auf den Nationalsozialismus rekurrierende "Nie wieder" in den Mittelpunkt stellte. Er warnte: "Der Faschismus kriecht in die Gesellschaft." Gemeinsam wolle man zeigen, dass man gemeinsam stärker sei, als diejenigen Kräfte, die unter anderem massenhafte Abschiebungen, auch von Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft, forderten.

Der Vorsitzende des Jugendgemeinderats, Mika Kühnle, sagte, dass er eigentlich keine Zeit für eine Rede gehabt habe, aber dass es in dieser Situation "keine Ausrede geben darf", um seine Mitmenschen zu verteidigen. Als direkter Gegenpart zum Jugendgemeinderat sprach anschließend der Vorsitzende des Arbeitskreises Schriesheimer Senioren, Winfried Plesch, der betonte, dass die Auswahl der Redner auch einen generationenübergreifenden Zusammenhalt signalisiere.

Weitere Redner waren ein Aktiver von Amnesty International, FDP-Stadträtin Ulrike von Eicke, Grünen-Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer, der designierte Vorsitzende der Schriesheimer SPD, Patrick Schmidt-Kühnle, Günther Förster vom Talhof und Margrit Liedloff von GfD.

Die Vorsitzende der CDU-Ortsgruppe, Christiane Haase, erzählte von ihrer Oma, die im Zweiten Weltkrieg Juden in ihrer Wohnung versteckt hielt, und dass sie sich in der christlich geprägten CDU engagiere, um Brücken zu bauen und Menschen zusammenzubringen.

Im Gespräch mit der RNZ sagte sie, dass auch die Teilnahme von CDU-Mitgliedern an dem Treffen, bei dem über die Deportationspläne gesprochen wurde, sie nicht an ihrer Partei zweifeln lasse: "Die Vernünftigen sind immer noch in der Überzahl und machen einen guten Job. Ich bin froh, dass die Werteunion jetzt eine eigene Partei gründen will, dann gibt es da einen klaren Schnitt", fand sie.

Zu den Anwesenden gehörte auch die Inhaberin der Restaurants "La Perseria Mashti" und "Culina 198", Sana Pazoki. Sie hat iranische Wurzeln und das Bekanntwerden der Deportationspläne habe sie fassungslos gemacht, aber nicht nur das, sondern auch die direkten Konsequenzen: "Meine Kinder kamen aus der Schule und haben mir erzählt, dass Mitschüler gesagt haben ,ihr werdet abgeschoben’." Die große Zahl an Demonstranten in Schriesheim und der Republik machten jedoch Hoffnung, dass es so weit nicht kommen werde.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung