14.06.2024

Kunstrasenplatz des Sportvereins eingeweiht

Nicht nur der Kunstrasenplatz ist neu, auch der Traktor, mit dem die Anlage nun gepflegt wird. Foto: Dorn
Nicht nur der Kunstrasenplatz ist neu, auch der Traktor, mit dem die Anlage nun gepflegt wird. Foto: Dorn

Der Platz war nur dank Spenden möglich. Rainer Beisel ist jetzt Ehrenmitglied.

Von Stefan Kern

Schriesheim. Für den Vorsitzenden Hermann Morast und die rund 500 Mitglieder des Sportvereins (SVS) 1919 Schriesheim war es ein stolzer Moment: Aus eigener Kraft, ohne Kredite aufnehmen zu müssen oder die Mitglieder stärker zu belasten, gelang es, das 15 Jahre alte und völlig verschlissene Kunstrasenfeld zu ersetzen. Alles in allem wurde eine Investition von knapp 290.000 Euro gestemmt. Für einen Verein mit einem durchschnittlichen Haushalt von 80.000 bis 85.000 Euro, so Morast, ohne Frage ein Mega-Projekt. Und so geriet die Einweihung des neuen Kunstrasenfeldes im Rahmen des zweiten SVS-Tages zu einem kleinen Fest mit einer gehörigen Portion Fußballparty.

Begonnen, so der Vorsitzende, habe alles vor zwei Jahren. Der alte Kunstrasenplatz war nur noch eingeschränkt bespielbar. Sowohl Trainings als auch Spiele waren hier wahrscheinlich nicht mehr lange möglich. Auch die Ausbesserung der Schäden war aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr sinnvoll. Blieb also nur noch der komplette Ersatz. Und das, so beschloss der Verein, sollte möglichst nachhaltig vonstattengehen.

Heißt: Das alte Material wird nicht verbrannt, sondern recycelt. Allein das bescherte dem Verein Mehrkosten von 6300 Euro. Auch der nachhaltige neue Belag schlug mit immerhin 13.000 Euro mehr zu Buche. Er besteht vor allem aus einem nachwachsenden Rohstoff der Zuckerrohr-Herstellung (80 Prozent) und recyceltem Material (20 Prozent). Darunter liegt einer Schicht aus Korkgranulat – früher war die Füllung aus Kunststoff. Angeschafft werden musste zur Pflege des Platzes auch ein kleiner Traktor, der noch einmal 8000 Euro kostete.

Vor der Summe, so Morast, habe er großen Respekt gehabt: "So was stemmt man ja nicht jeden Tag." Zum Glück gab es einige starke Förderer. Von den 290.000 Euro verblieben beim Verein nach Abzug der Förderung durch die Stadt Schriesheim und den Badischen Sportbund noch rund 170.000 Euro. Dieser Betrag schmolz dank der Spende der Dietmar-Hopp-Stiftung auf noch 70.000 Euro.

Um diese vergleichsweise kleine, aber für den Verein enorme Summe aufzubringen, standen neben zahlreichen Klein-Spendern auch die Sparkassen- und die H+G-Bank-Stiftung sowie die Dr.-Barbara Schenk-Zitsch-Stiftung parat, sodass die Finanzierung am Ende in Gänze gesichert war. Da war es fast schon eine Untertreibung, wenn Morast und dem SVS gestern ein Stein vom Herzen fiel. Entsprechend groß ist nun auch die Freude: "Die Zukunftsfähigkeit des Vereins ist wiederhergestellt", so der Vorsitzende. Gerade den Erfordernissen rund um die Kinder- und Jugendarbeit könne der Verein nun wieder ohne Einschränkung gerecht werden.

Trotz des Erfolgs stellte Morast die Frage in den Raum, ob in Zukunft nicht die Stadt solche Großinvestitionen übernehmen könnte und die Vereine dann sozusagen zu Mietern der Anlagen werden. In anderen Kommunen sei dies durchaus üblich: "Es würde uns Vereinen eine große Last von den Schultern nehmen." Es war ein Gedanke, das versprach Bürgermeisterstellvertreter Michael Mittelstädt, den man mit in die Verwaltung und an den Ratstisch nehmen und diskutieren werde. Zwar bliebe bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von solchen Plätzen von 15 Jahren noch etwas Zeit, aber die Idee jetzt schon zu prüfen, sei sicher sinnvoll.

Heike Bauer von der Dietmar-Hopp-Stiftung brachte ihre Freude zum Ausdruck. Sport liege ihr und der Stiftung besonders am Herzen. Sie wisse um die Bedeutung von Vereinen für das öffentliche Leben sowie die Kinder- und Jugendarbeit. Die Spende sei damit nur folgerichtig. Auch Sabine Hamann vom Badischen Sportbund und Harald Schäfer vom Fußballkreis Mannheim zeigten sich erfreut. Damit sei der Verein in die Verantwortung für die Zukunft gegangen. Und gerade heutzutage sei das wichtig wie nie.

Nach den Eröffnungsreden ehrte Morast noch vier langjährige Mitglieder. Neben Christa von Schachtmeyer (25 Jahre) und Thomas Dammann (25 Jahre) waren das Thomas Bloemecke (40 Jahre) und Rainer Beisel (über 50 Jahre). Beisel bekam hierfür die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Und dann endlich ging es für die Kinder mit den Bällen auf den neuen Platz, und das SVS-Fußballfest nahm seinen Lauf. So viel Begeisterung auf einem Platz ist selten. Für Frieda Sündermann, Spielerin der frisch aus der Taufe gehobenen D-Jugend-Mädchen, war das nicht weiter überraschend. Auf die Frage, was ihr Fußball bedeute, sagte sie schlicht: "Alles!" Und mit dieser Meinung ist sie unter den 200 Kindern und Jugendlichen im SVS nicht allein.

Copyright (c) rnz-online
Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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