12.07.2024

In die "Rose" kommt wieder Leben - aber nur für drei Tage

In den Gastraum des Traditionslokals zieht am 1. September Kunst zum Straßenfest ein. Fadime Tuncer will sich weiter um die Sanierung kümmern.

Schriesheim. (hö) In die "Rose" soll, zumindest für drei Tage, wieder neues Leben einziehen. Denn in der seit neun Jahren verwaisten Gaststube werden am Freitag, 1. September, um 16 Uhr Kunstwerke ausgestellt: Einen Tag vor dem Straßenfest treffen sich hier 13 Künstlerinnen aus der Region – und knüpfen an die Aktion "Kunst im Keller" an, die in den Pandemiejahren 2020 und 2021 eine Vernissage in den Zehntkeller brachte. Stadträtin und heutige Grünen-Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer hatte die Idee dazu: "Es war unser Anliegen, Orte in Schriesheim zu finden, die man für Kunst und Kultur nicht so kennt."

Dieses Mal fiel die Standort-Wahl auf die "Rose": Das verwundert nicht, denn in ihrem Bürgermeister-Wahlkampf hatte sich Tuncer des Traditionsgasthauses angenommen: Ihr ging es damals weniger darum, ein fertiges Sanierungs- und Nutzungskonzept zu präsentieren, sondern dafür zu sorgen, dass die "Rose" nicht aus dem Bewusstsein gerät. Was auch im Sinne von Eigentümer Karl Reinhard ist, der zwar beim gestrigen Kunstaktionspressetermin verhindert war – er arbeitet gerade als Mietkoch – aber ansonsten "begeistert ist von dieser Idee" (Tuncer). Zumal er immer wieder erklärt hatte, das Gebäude erhalten und vielleicht darin wieder eine Gastronomie zu etablieren zu wollen.

Daher nun diese Kunstaktion – zumal etliche Künstler durchaus eine Beziehung zum Ex-Lokal haben. Nicola Freyer (Lützelsachsen) ist in Schriesheim aufgewachsen, ihre Mutter, die heute noch hier lebt, hat "ihre Jugend in der ,Rose’ verbracht". Sie meint: "Heute verschwindet so viel Altes. Dabei hat man positive Erinnerungen an das Haus. Da muss jetzt neues Leben rein." Auch Eva Hestermann-Beyerle (Schriesheim) findet es "eine tolle Idee, die ,Rose’ wieder zu beleben". Sie schaut sich oft das bröckelnde Gebäude an: "Schade, dass das Gasthaus nicht mehr existiert."

Diese beiden stellen in drei Wochen genauso einige Werke aus – Freyer etwas Abstraktes, Hestermann-Beyerle eine Steinskulptur – wie Swetlana Dardykina (Schriesheim) mit ihrer Acrylmalerei, Sabine Ermel (Schriesheim) mit einer Matisse-Kopie, Renate Barth (Weinheim) mit, passenderweise, Rosenbildern und nicht zuletzt Isabell Blessing-Peest, bei der organisatorisch die Fäden zusammenlaufen; dazu kommen sieben weitere Künstlerinnen, die beim Termin nicht dabei waren.

An allen drei Ausstellungstagen gibt es Programm: am Freitag um 18 Uhr eine Lesung mit Musik und ab 19 Uhr einer Wein- und Bierprobe, am Samstag ab 10 Uhr ein Flohmarkt und sonntags ab 11 Uhr wieder eine Lesung mit Musik. Dabei präsentiert sich die junge Altenbacher Autorin Karolina Benke, die erstmals aus ihrem neuen Roman "Hetarios" liest. Es sollen sich nicht nur die altbekannten Personen aus Kunst und Kultur in der "Rose" ein Stelldichein geben, sondern "eher junge, unbekannte Leute", sagt Blessing-Peest.

Sie freut sich auch über spontane "Mitmacher", die dem Ort wieder neues Leben einhauchen wollen. Im Moment werden noch welche für den Samstag gesucht – wie übrigens auch historische Ansichten von diesem Lokal, die aufgehängt werden sollen. Wer Interesse (oder Fotos) hat, kann sich in Blessing-Peests Atelier (Heidelberger Straße 44) oder per Telefon 0176/20372375 melden.

Wobei die Gäste auch einfach nur mal kommen dürfen, um sich anzuschauen, was aus der "Rose" geworden ist – auch wenn man nur in die Gaststube, nicht aber in den legendären Saal darf. Ein bisschen Restaurant-Flair gibt es aber dann doch mit den Weinen von Anne Kathrin Bormann und dem Bier des Brauhauses "Zur güldenen Rose". Das ist nach dem Ladenburger Lokal benannt, das im selben Jahr wie sein Schriesheimer Beinahe-Namensbruder, 2014, seine Pforten schloss. Noch ist nicht absehbar, ob oder wann die Firma, die ihren Sitz in Schriesheim hat, aber in Ladenburg braut, in das namensgebende Gasthaus zieht, wie Ricard Landgraf erklärt.

Worum es allerdings an diesem drei Tagen nicht geht, ist die Sanierung des Gebäudes: "Das ist ein Extra-Thema", sagt Tuncer. Sie will bald einmal einen Vor-Ort-Termin mit der denkmalschutzpolitischen Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Barbara Saebel, machen, um Möglichkeiten einer Sanierung auszuloten. Jetzt gehe es erst einmal darum, mit "Kunst und Kultur in der ,Rose’" zu zeigen, "dass dieser Ort wiederbelebt werden kann".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung