22.05.2024

Bluttat in Altenbach: 58-jähriger Mann in Untersuchungshaft

Foto: Fotolia
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Am Donnerstagmorgen stach der Mann im Streit einen 56-Jährigen nieder, der nun um sein Leben kämpft. Im Dorf galt der Tatverdächtige als "Sonderling".

Schriesheim. (pol/mare) Nach der Bluttat von Altenbach ist ein 58-jähriger Mann aus Schriesheim festgenommen worden. Er sitzt in Untersuchungshaft, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen.

Er soll demnach einen 56-jährigen Mann am Donnerstag schwer verletzt haben. Gegen 6.25 Uhr soll der Mann auf der Fahrbahn im Birkenweg mit dem 56-Jährigen in Streit geraten sein. Dann habe er mehrfach mit verschiedenen Messern auf den 56-Jährigen eingestochen, teilt die Polizei mit. Der 56-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. Ob er überlebt, ist weiter nicht klar.

Der 58-Jährige wurde unmittelbar nach der Tat festgenommen und am Freitag der Haft- und Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Mannheim vorgeführt. Sie erließ den von der Staatsanwaltschaft Mannheim beantragten Haftbefehl. Der Tatverdächtige wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim und des Kriminalkommissariats Mannheim der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg des Polizeipräsidiums Mannheim dauern an.

Update: Freitag, 19. April 2024, 13.12 Uhr


Viele offene Fragen nach der Bluttat in Altenbach

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Eine schwere Körperverletzung, zu der Polizei und Staatsanwaltschaft nur spärliche Informationen herausrücken, erschüttert das 1900-Einwohner-Dorf. Gesichert ist, dass am Donnerstag kurz vor 7 Uhr zwei Personen vor einem Wohnhaus im Birkenweg, einer ruhigen Wohnstraße, in Streit gerieten. In dessen Verlauf verletzte ein Mann seinen Kontrahenten schwer.

Wie er das tat, darüber schwieg sich die Polizei aus, aber die große Blutlache vor dem Haus deutet darauf hin, dass ein Messer die Tatwaffe war. Zunächst wurde ein Rettungshubschrauber angefordert, aber der Schwerverletzte kam dann mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Sein Zustand ist kritisch, es sei, so sagte ein Polizeisprecher der RNZ, "damit zu rechnen, dass er nicht überlebt".

Über den Tatverdächtigen und das Opfer machte die Polizei keine Angaben. Auch nicht darüber, in welcher Beziehung die beiden zueinander standen. In Altenbach wusste aber allein schon anhand des Tatorts fast jeder, wer der Mann ist, der diese Tat begangen haben soll.

Der Tatort im Altenbacher Birkenweg: Hier soll der Tatverdächtige nach dem Tod seines Vaters allein gelebt haben. Foto: Kreutzer
Es handelt sich um einen alleinlebenden Mann, den wegen seines auffälligen Erscheinungsbilds im Ort jeder – zumindest vom Sehen – her kannte. "Ein Sonderling", sagt auch Ortsvorsteher Herbert Kraus, "aber absolut nicht zur Gewalt neigend." Das bestätigen auch mehrere Altenbacher, mit denen die RNZ am Mittwochmorgen sprach. Der Mann galt als durchaus seltsam, wenn auch sehr intelligent, aber nicht als aggressiv.

Noch mehr verwundert, dass eine andere Person, das spätere Opfer, mit ihm zusammen im Haus gelebt haben soll. Denn man nahm an, der Tatverdächtige würde dort allein leben, nachdem sein Vater im Sommer 2022 mit fast 94 Jahren gestorben war; ihn hatte der Mann bis zu seinem Tod gepflegt.

Allerdings hörte die RNZ auch, dass er, zumindest zeitweise, Obdachlose bei sich aufgenommen haben soll. Er habe nach dem Tod seines Vaters gelegentlich darüber geklagt, dass er sich sehr einsam fühle.

Während der Schriesheimer Bürgermeisterwahl 2021 machte der Tatverdächtige noch einmal von sich reden: Er hatte die Wahl angefochten, weil seine Stimme ungültig gewertet wurde: Er hatte auf dem Zettel keinen Kandidaten angekreuzt, sondern "Annalena Baerbock, Berlin?" notiert.

Weil er keine Adresse dazugeschrieben hatte, konnte die Außenministerin nicht als wählbare Person identifiziert werden, daher wurde seine Stimme nicht gewertet.

Nach einigem Hickhack zog er seine Wahlanfechtungsklage zurück; allerdings verhinderte eine zweite die Verpflichtung von Christoph Oeldorf als Bürgermeister, der zunächst als Amtsverweser, also Interimsbürgermeister, bestellt wurde.

Ein Rettungswagen brachte den lebensgefährlich Verletzten ins Krankenhaus. Foto: Priebe
Die Altenbacher reagierten relativ ruhig auf die Tat, auch wenn die meisten schon am Mittag davon gehört hatten. Und doch können sie nicht begreifen, wieso es zu diesem Gewaltausbruch eines "Sonderlings" gekommen ist. Auch Ortsvorsteher Kraus meinte zur RNZ: "Einen Grund muss es ja gehabt haben. Es steht ja, zumindest theoretisch, auch Notwehr im Raum. Man kann da nur spekulieren." Er gehe davon aus, dass der Tatverdächtige nun eingehend untersucht wird und womöglich dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht wird.

"In jedem Fall ist diese Tat entsetzlich", so Kraus, "ich wohne seit 54 Jahren in Altenbach, aber so etwas hat es hier noch nicht gegeben." Kurz darauf musste er sich korrigieren: Am 12. November 1996 hatte ein 42-jähriger Amerikaner vor dem damaligen Kiosk in der Hauptstraße einen Nebenbuhler aus Schönau in den Hals gestochen – wahrscheinlich im Streit um eine Frau.

Kraus, der direkt nebenan seine Hausarzt-Praxis hatte, leistete Erste Hilfe: "Zum Glück hat er nicht die Halsschlagader getroffen, sonst wäre der Mann unter meinen Händen verblutet." Wie er sich erinnert, bekam der Täter drei Jahre Haft und wurde dann in die USA abgeschoben.

Vier Jahre zuvor, Ende November 1992, wurde im Dorf eine Frau ermordet. Der Täter und sie stammten, so Kraus, "aus dem Alkoholikermilieu". Sie gerieten in ihrer Wohnung im Hostackerweg in Streit, worauf der Mann sie erwürgte und in die Badewanne legte. Danach täuschte er einen Unfall durch einen elektrischen Schlag vor. Kraus erinnert sich, dass der Mann zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde.

Update: Donnerstag, 18. April 2024, 18.55 Uhr

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung