02.03.2024

Gemeinderat entscheidet über das Kompressorenhaus

Seit einem halben Jahr wird in Schriesheim diskutiert, ob die alte Schmiede und das Trafo-Haus des ehemaligen Steinbruchs – meist allgemein „Kompressorenhaus“ genannt – abgerissen oder erhalten werden sollen. Foto: Dorn
Seit einem halben Jahr wird in Schriesheim diskutiert, ob die alte Schmiede und das Trafo-Haus des ehemaligen Steinbruchs – meist allgemein „Kompressorenhaus“ genannt – abgerissen oder erhalten werden sollen. Foto: Dorn

Abriss oder Erhalt: Für Mittwoch wird eine spannende Debatte erwartet. Bisher hat sich die Kommunalpolitik kaum zu dem Thema geäußert.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Am Kompressorenhaus scheiden sich die Geister: Die einen nervt die Debatte, weil sie finden, dass das seit über 50 Jahren leer stehende Gebäude abgerissen gehört. Die anderen finden, dass es als eines der wenigen Zeugnisse der 70-jährigen Schriesheimer Steinbruchgeschichte unbedingt erhalten bleiben muss. Am Mittwoch wird der Gemeinderat entscheiden (ab 18 Uhr, großer Sitzungssaal des Rathauses).

Bemerkenswert bei den Sitzungsunterlagen der Stadtverwaltung ist, dass sie keinen Beschlussvorschlag enthalten. Bürgermeister Christoph Oeldorf lässt also den Stadträten die Wahl. Das verwundert insofern, als dass die Stadt als Grundstückseigentümer keinerlei Bedenken hatte, als das Regierungspräsidium Karlsruhe im Sommer ankündigte, aus Gründen des Naturschutzes das Gebäude abreißen zu wollen (RNZ vom 3. November): Hier würden wilde Partys gefeiert, es wurde auch schon illegal Müll abgelagert. Dies stelle "eine erhebliche Störung für das Naturschutzgebiet Ölberg dar, in dem sich das Gebäude befindet", sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums der RNZ. Es gab sogar schon einen festen Abrisstermin, der aber dann abgesagt wurde, weil das Landesamt für Denkmalpflege erst noch prüfen wollte, ob das Kompressorenhaus nicht doch ein schützenswertes Kulturgut ist – was die große Hoffnung der Abrissgegner war.

Nach kurzer Prüfung kam heraus, dass das Gebäude kein Denkmal ist (RNZ vom 25. November). Der Grund: Das Gebäude ist zu marode, zudem dokumentiere es kaum mehr den Steinbruchbetrieb: "Aufgrund der weitreichenden Reduktion sämtlicher baulichen Anlagen und des fortgeschrittenen Verfalls ist eine anschauliche Überlieferung des zwischen 1899 und 1967 betriebenen Porphyrwerks am Schriesheimer Ölberg nicht mehr gegeben. Diese wäre, wenigstens für Teilprozesse des Abbaus, notwendige Voraussetzung für die Aufnahme in das Verzeichnis der Bau- und Kunstdenkmale." Die Befürworter des Erhalts argumentieren mit dem Gegenteil: Gerade weil vom Steinbruch ja kaum mehr etwas übrig sei, sei dieses letzte Überbleibsel besonders erhaltenswert.

Inzwischen hatte sich auch eine Art Bürgerinitiative gegründet: Sigrid Fuhs hatte 200 Unterschriften in Papierform gesammelt, die sie am 23. November auf der Gemeinderatssitzung dem Bürgermeister übergab; Reiner Frank Hornig initiierte eine Online-Petition, der sich mittlerweile 328 Personen angeschlossen haben. Insofern stimmt es schon, wenn Fuhs vor einem halben Jahr behauptete: "Wir haben die 500er-Marke geknackt." Unterdessen hatte Hornig angekündigt, einen Förderverein zu gründen, der sich um den Erhalt des Gebäudes kümmern soll – um so die Stadt von Folgekosten zu entlasten.

Doch dann kam die überraschende Wende, die Oeldorf ankündigte, als ihm Fuhs gerade die Unterschriften übergeben hatte: Der Gemeinderat wird das letzte Wort haben; das Regierungspräsidium hatte also die Entscheidung nach Schriesheim zurückgespielt (RNZ vom 29. November). Die Kommunalpolitik hatte sich allerdings kaum zur Frage geäußert, ob sie das Kompressorenhaus erhalten oder abreißen will.

Einzig die Grüne Liste hatte eine gewisse Sympathie für den Erhalt erkennen lassen – gerade weil sich ein Förderverein aus der Bürgerschaft fortan um das Gebäude kümmern will (und man allgemein bürgerschaftliches Engagement fördern will). Aus den anderen Gruppierungen im Gemeinderat – wahrscheinlich am Mittwoch die Mehrheit – hört man hingegen eher Skepsis: Das Kompressorenhaus sei zu baufällig, im Grunde auch nutzlos – da es in seinem jetzigen Zustand ja die Steinbruchgeschichte nicht mehr dokumentieren könne und zudem nicht zugänglich sein dürfe – und koste nur Geld.

Das mit der Zugänglichkeit ist eine wichtige Frage. Denn die Stadt ist als Eigentümerin dieser Immobilie laut der Sitzungsvorlage in der Haftung, wenn es um die Verkehrssicherungspflicht geht. Kurz: Sie muss dafür sorgen, dass niemand hier reinkommt – also mit einem Zaun und/oder vergitterten Fenstern und Türen. Wie viel das kostet, steht noch nicht ganz fest, zumindest gibt man für das Verschließen der zwei Türen und drei Fenster in der Schmiede sowie der drei Türen im Trafo-Haus einen Betrag "im niedrigen fünfstelligen Bereich" an.

Neben diesen einmaligen Kosten kämen zudem die künftigen Unterhaltungsarbeiten und die regelmäßigen Kontrollen. Das Regierungspräsidium wäre prinzipiell damit einverstanden, denn ihm ist wichtig, dass sich niemand im Gebäude aufhält; allerdings wird sich die Behörde finanziell an den Kosten nicht beteiligen. Aber da gebe es ja, wie die Stadt in der Vorlage schreibt, möglicherweise noch den Förderverein, der sich aber noch nicht formal gegründet habe.

Apropos Kosten: Die Gelder, die das Regierungspräsidium für den Abriss vorgesehen hatte – ein Betrag wurde nie genannt, aber es gab Schätzungen von rund 50.000 Euro –, sind mittlerweile verfallen. Unter Umständen könnte man aber aus einem anderen Etatposten den Abbruch finanzieren – wenn den der Gemeinderat will.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung