02.03.2024

Feuerwehrübung in Schriesheim: Eine logistische Meisterleistung mitten im Wald

Mit Schläuchen und Feuerpatschen wurde eine Ausbreitung des „Feuers“ verhindert. Foto: Dorn
Mit Schläuchen und Feuerpatschen wurde eine Ausbreitung des „Feuers“ verhindert. Foto: Dorn
Das Löschwasser wurde vom Tanklöschfahrzeug in einen Faltbehälter gefüllt. Foto: Dorn
Das Löschwasser wurde vom Tanklöschfahrzeug in einen Faltbehälter gefüllt. Foto: Dorn

35 Feuerwehrkräfte waren an der Übung beteiligt. Das Szenario: Ein "Brand" beim Waldkindergarten. Im Ernstfall muss jeder Griff sitzen.

Von Edda Nieber

Schriesheim. Sonntagmorgen, kurz nach 8 Uhr, im tiefsten Schriesheimer Wald: Blaulicht erhellt das Blätterdach, eilige Schritte, Schläuche werden ausgerollt. Bei der Waldübung der Freiwilligen Feuerwehr war einiges los. Unweit des Waldkindergartens gibt es einen "Böschungsbrand" mit starker Rauchentwicklung, so die Ausgangslage. In Wirklichkeit brannte es natürlich nicht. Und manch ein Spaziergänger wunderte sich, was das für ein Tumult am frühen Morgen ist.

Mit 35 Kräften und neun Fahrzeugen rückte die Wehr aus und probte den Ernstfall. Jeder Handgriff muss sitzen, jeder muss wissen, was zu tun ist, erklärte Karl-Martin Rau, der den anwesenden Stadträten und Bürgermeister Christoph Oeldorf das Vorgehen erläuterte. "Üben, üben, üben" sei die Devise. Wenn man nachts um 2 Uhr aus dem Bett geklingelt wird, sei Routine gefragt.

Neben den Abteilungen Altenbach und Stadt war die Löschgruppe Ursenbach vor Ort. Mit der Stadtabteilung sicherte sie die eine Seite der Senke, in der das "Feuer" ausgebrochen war, die Altenbacher die andere. "Wo es brennt, brennt es eh schon", lautete die Herangehensweise, deshalb ging es darum, eine weitere Ausbreitung des Brands zu verhindern. Mehrere Kameraden befeuchteten den Waldboden, andere versuchten, die Flammen mit "Waldbrandpatschen" zurückzuhalten. Diese Bezeichnung sei jedoch irreführend, erklärte Rau. Statt das Feuer auszuhauen, würde man es ausstreichen.

Für das Löschen selbst wurden mehrere Methoden eingesetzt, denn wie üblich den Schlauch an eine Wasserentnahmestelle anzuhängen, war nicht möglich. Der nächste Hydrant ist am Sammelplatz ein ganzes Stück unterhalb des Kindergartens. Bleibt der Martinsbach.

An einer einigermaßen tiefen Stelle wurde ihm mithilfe einer Elektrotauchpumpe Wasser entnommen und mit zehn Bar Druck in einem 250 Meter langen Schlauch durch den Wald geleitet. Dank der letzten Regenfälle hatte der Bach einiges an Wasser, es reichte aber trotzdem nur gerade so aus. Für den Sommer oder trockenere Jahre muss man sich etwas anderes einfallen lassen.

Deshalb war auch das Tanklöschfahrzeug aus Altenbach im Einsatz, das bis zu 1800 Liter Wasser fasst. Es pendelte zwischen Einsatzstelle und Hydrant. Das Wasser wurde in ein swimmingpool-ähnliches Becken, einen "Faltbehälter", gefüllt. Oeldorf und die Stadträte wollten wissen, ob jede Feuerwehr einen Faltbehälter besitzt, was Rau verneinte. "Das ist, was Schriesheim für seinen Wald tut."

Da die Stadt eine große Waldgemarkung hat, sei es unabdingbar, vorbereitet zu sein. Seit vielen Jahrzehnten gebe es die Waldübungen. Zudem habe man viele Wohngebiete am Waldrand und vereinzelt Gebäude im Wald. Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Trockenheit werden Waldbrände dennoch eine zunehmende Gefahr.

"Die Waldfläche ist zwar optisch ausladend, aber logistisch schwieriger als ein Gebäudebrand", so Lisa Krämer, Stellvertretende Kommandantin der Abteilung Stadt. Sie leitete die Übung und musste den Überblick behalten. Mit ihrem Quad ging das gut. Anders als für die größeren Fahrzeuge waren die unbefestigten Waldwege für sie kein Problem.

Die großen Löschfahrzeuge hatten Schwierigkeiten, fuhren sich auf dem teils rutschigen Laub kurzzeitig fest. Unbekannt sind die Wege jedoch nicht, mindestens zwei Mal im Jahr gibt es "Waldfahrten". Es sei schon vorgekommen, dass sich eine Gruppe auf dem Rückweg von einer Übung verfahren hat und eineinhalb Stunden nicht zurückkam, so Rau. "Einfach wenden ist unmöglich."

Generell sei es ein logistisches Meisterwerk, die Fahrzeuge so anzuordnen, dass keines eingekeilt wird und alle dort sind, wo sie gebraucht werden. Auch der Fall, dass während der Übung ein echter Notruf reinkommt, muss bedacht werden. Für die Planung waren Andreas Ullrich und Nicolas Spatz zuständig. Sie hatten sich Ort und Einsatzlage ausgedacht, der Kindergarten sei wegen seiner Lage optimal.

Anschließend gab es eine Nachbesprechung, für die Spatz, der auch Jugendwart ist, mit der Jugendfeuerwehr alles vorbereitet hatte. Sie hatten Tische, Bänke und Brötchen der Bäckerei Heiß geholt. Mit Uhrzeit und Tag waren nicht alle glücklich, mit dem Ergebnis der Übung aber umso mehr.

Auch der Stellvertretende Kreisbrandmeister, Ingo Schmiedeberg, zeigte sich zufrieden. "Es ist immer die schönste Übung überhaupt", fand einer der Feuerwehrmänner. Das Beisammensein, das Teamwork, das gute Wetter. Diese Übungen stärken den Zusammenhalt und das Vertrauen in die Wehr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung