16.04.2024

Die Eisdielen in der Region erhöhen die Preise

Die süße Versuchung hat ihren Preis: Einige müssen die gestiegenen Energie-, Rohstoff- und Personalkosten an die Kunden weitergeben. Andere umgehen die Anpassung noch.

Bergstraße/Neckar. (max/ade/ans) "Ice Ice Baby" – die Eissaison 2024 ist gestartet. Und anders als im Hip-Hop-Klassiker von US-Rapper Vanilla Ice gibt’s in den Eisdielen an Bergstraße und Neckar deutlich mehr als eine Sorte. Doch für manche Kunden mischt sich ein bitterer Wermutstropfen in die Süße des Eises – und das ist der Preis pro Kugel. So wurde jüngst in einer Facebook-Nachbarschaftsgruppe Kritik laut, weil die Eisdiele Leone in Edingen in diesem Jahr 1,80 Euro pro Kugel aufruft. Grund genug, um bei der betreffenden Eisdiele und deren Wettbewerbern in der Region nachzufragen, wie sie sich auf die Saison vorbereiten und welchen Preis sie für angemessen halten.

Edingen-Neckarhausen: Cesare Di Leone ist die Kritik an seiner Preispolitik nicht entgangen. Wütend macht ihn das nicht: "Ich verstehe das total, dass die Leute das zu teuer finden, aber es geht nicht anders. Die Situation zwingt uns dazu", sagt er. Dabei gehe es nicht nur um enorm gestiegene Energiepreise, die bei einer Eisdiele wegen der dauerhaft laufenden Kühlung massiv zu Buche schlagen, sondern auch um gestiegene Rohstoffpreise für jene Eiscafés, die ihre Spezialitäten selbst herstellen, wie es auch in Di Leones Filialen in Edingen und Ilvesheim der Fall ist: "Der Markt ist verrückt. Nichts mehr ist wie früher, nichts ist mehr stabil. Zum Beispiel hat sich innerhalb des vergangenen Monats der Preis für Kakao um 30 Prozent erhöht."

So etwas habe es vorher nicht gegeben. "Da haben wir die Preise nicht jedes Jahr erhöht. Die Ein-Euro-Kugel gab es bei uns jahrelang. Aber wegen der unsicheren Preisentwicklung mussten wir in den letzten Jahren jedes Jahr um zehn Cent erhöhen." Ein weiterer Faktor sind die Kosten fürs Personal. Die sind nicht allein gestiegen: Durch sinkende Flexibilität brauche er mehr und mehr Mitarbeiter – ebenfalls ein Kostenfaktor. Trotz der Kritik freut sich Di Leone auf seine Gäste und die Saison, die bei ihm im Februar gestartet ist. Außerdem habe es auch ermutigende Kommentare gegeben, gerade von Kunden, die persönlich in die Eisdiele kamen.

Schriesheim: Die Eissaison eröffnet hat auch das Eiscafé Ferrario in Schriesheim. Seit dem 23. Februar wird hier wieder Eis "tipicamente italiano" angeboten – und zwar für 1,40 Euro pro Kugel. Im Vergleich zum vorigen Jahr bleibt der Preis unverändert. Es sei zwar alles teurer geworden, aber "dieses Jahr lassen wir es noch mal so", meint Gabrielle Ferrario, Schwester des Inhabers Giorgio Ferrario.

Weinheim: Einen Tag später als das Eiscafé Ferrario, nämlich am 24. Februar, hat das Eiscafé Vannini seine Pforten geöffnet – eine Institution in Weinheim seit 24 Jahren. Dementsprechend liefen die Vorbereitungen auf den Saisonstart wie geschmiert. Zwei Tage vor der Eröffnung werde der Laden, den man vor der Winterpause ohnehin in blitzblankem Zustand hinterlasse, nochmals gereinigt und die Eismaschinen und der Kühltresen getestet, erklärt Pietro Vannini, Inhaber des Cafés. Am Eröffnungstag läuft ab 5 Uhr morgens die Eismaschine, damit pünktlich um 10 Uhr das erste Eis verzehrt werden kann. Der Preis für eine Kugel Eis liegt dieses Jahr bei 1,40 Euro – zehn Cent teurer als im Vorjahr, aber immer noch die gleiche "100-Gramm-Kugel", so Vannini.

Über mehr Personal würde er sich freuen, Mangel herrsche aber noch nicht, meint er weiter. Er beschäftigt viele Mitarbeiter aus Italien oder Portugal. Attraktiv macht den Job die Kostenlogis, sprich die Übernahme von Miete und Unterhaltskosten.

Ebenfalls in der Altstadt in Weinheim befindet sich das Eiscafé La Gelateria von Giuseppe Borzellino. Erst vor Kurzem, am 13. März, hat er die Eissaison eröffnet, wenngleich das Wetter nicht so mitspielte wie erhofft. Wenn schon nicht die Sonne, dann zaubert einem das Sortiment ein Lächeln ins Gesicht mit neuen Sorten, etwa Ricotta-Birne, Walnuss-Feige oder Kinder Bueno. Eine Kugel Eis auf die Hand kostet 1,50 Euro, genauso wie im vorigen Jahr. Eine Preiserhöhung kam für ihn nicht infrage. "Ich finde, dass langsam übertrieben wird", meint Borzellino dazu. Trotz steigender Preise im Einkauf bemühe er sich darum, die Kosten für seine Kunden erschwinglich zu halten. Wer sich auf eine Kugel Eis in das Café setzt, hat mit 1,70 Euro zu rechnen. Den Aufschlag von 20 Cent erklärt Borzellino durch den Service vor Ort, den ab April zwei weitere Kräfte verstärken.

Weinheim/Hirschberg: Den Preis erhöht hat die "Gelateria Pandolfo" am Weinheimer Marktplatz. Kostete 2023 eine Kugel noch 1,50 Euro, sind es jetzt 1,70 Euro. Für Spezialsorten, die in der Herstellung aufwändiger sind, muss der Eisliebhaber nun zwei Euro zahlen anstatt wie zuletzt 1,70 Euro. Robin Schulz begründet dies zum einen mit der von sieben auf 19 Prozent angehobenen Mehrwertsteuer. Aber auch mit weiteren Ausgaben, die sich erhöht haben: "Mindestlohn, Gas, Wasser, Milch, Zucker – alles ist gestiegen." Im Vergleich zum letzten Einkauf, der noch gar nicht so lange zurückliegt, ergänzt seine Verlobte Viviana-Alessia Pandolfo, sei der Preis für Schokolade um 30 Prozent gestiegen.

"Wir wollten aber auf keinen Fall an der Qualität sparen", so Schulz. Um den Kunden entgegenzukommen, habe man sich dazu entschieden, nur den Preis für das Eis anzuheben. Der für Kaffee und Speisen sei gleichgeblieben. Übrigens kann man hier auch Spaghetti-Eis mit Pistazien-Pesto genießen oder Hunde-Eis entdecken, Inhaber Antonio Pandolfo ist da sehr kreativ. Tochter Viviana-Alessia eröffnet mit ihrem Verlobten noch im März oder im April eine Filiale in Leutershausen (die RNZ berichtete).

Ladenburg: Den ganzen Winter über geöffnet hatte das Eiscafé Gelateria-Forum in Ladenburg. Es versorgte seine Gäste bei frostigen Temperaturen mit Kuchen. Seit Februar gibt es nun wieder Eis zu kaufen. Wie 2023 zahlt man 1,50 Euro für eine Kugel. Die gestiegenen Preise im Einkauf merkt auch Inhaberin Niloofar Afschar. Trotzdem schließt auch sie eine Preisanhebung aus. "Wir wollen eben human sein", erklärt sie. Vom Personalmangel fühle man sich als Familienunternehmen nicht betroffen. Bei ihnen gebe es immer motivierte "Über-Sechziger", die anpacken.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung