14.06.2024

Altenbach hat einen neuen "Laden": Eine Art Hofverkauf mit eigenen Produkten eröffnet

Maria und Attila Nagy trotzen in der Hauptstraße dem Trend der schließenden Läden auf dem Dorf.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Im Dorf machen eher die Läden zu als auf? Irrtum! Zumindest haben sich Maria und Attila Nagy seit Anfang April daran gewagt, eine Art Laden direkt an der Hauptstraße zu eröffnen. Er nennt sich "Marias Hofladen", und hier verkauft das Ehepaar etliche Dinge des täglichen Bedarfs, darunter auch Selbstangebautes und eigene Eier. Obst – wie die eigenen Äpfel oder auch mal Kirschen – und Gemüse erntet Nagy in seinem Großsachsener Schrebergarten.

Die Eier kommen vom Edinger "HelDen"-Hof von Helmut und Dennis Koch. Denn dort hat Nagy 70 Hühner stehen. Mit etwas Glück bekommt man nicht nur normale Eier, sondern auch die von Wachteln und Perlhühnern: "Die sind gut für die Manneskraft", meint Maria Nagy und lacht. "Das sind Delikatessen und haben ganz wenig Kalorien." Alle Eier seien vom Veterinäramt geprüft.

Eigentlich kam dem Ehepaar die Idee, als der Süßigkeiten- und Getränkeautomat in Altenbach aufgestellt wurde. Und weil die Lebensmittelversorgung im Dorf nicht ganz einfach ist – immerhin gibt es das Kiosk Tison und den Obst- und Gemüseladen "PeLe" –, dachte sich Nagy, es wäre nun Zeit, Eigeninitiative zu ergreifen; "Es wird ja immer weniger hier in Altenbach, alles stirbt aus."

Und Ortsvorsteher Herbert Kraus hielt dieses zusätzliche Angebot "für eine gute Idee, wie Nagy berichtet. Also meldete er ein Gewerbe an und verkauft nun seine Artikel, zum Beispiel auch Süßigkeiten und Getränke direkt ab Hof. Ein bisschen ist er noch am Austesten: "Ich muss ja erst mal sehen, was alles läuft." Momentan geht Toilettenpapier ganz gut, aber auch die eigenen Eier und die Nudeln von Freddys Hühnerhof aus Worms. Wer etwas Bestimmtes haben will, muss es nur auf einer Liste eintragen. Die Bezahlung erfolgt dann – quasi auf Vertrauensbasis – im Korb.

Eigentlich ist Nagy Polsterer. Der gebürtige Rumäne ungarischer Abstammung – daher spricht man seinen Namen korrekterweise mit "Notsch" aus – kam mit seiner Familie 1975 nach Deutschland; er war zunächst in Weinheim beschäftigt, dann machte er sich mit seiner Firma in der Alten Talmühle in Schriesheim selbstständig. Im Jahr 2000 zog er nach Altenbach, seine Polsterei gibt es immer noch.

Kurioserweise ist "Marias Hofladen" nur eines der Standbeine des umtriebigen Altenbachers: Er hat auch einen Großhandel für Souvenirs, die in Rumänien produziert werden. 150 Produkte hat er momentan im Sortiment – die allermeisten mit Heidelberg-Bezug. Ganz gut läuft der Flachmann mit Heidelberger Wappen für fünf Euro. Aber der wahre Renner sind die Kochlöffel – wie es sich fürs "Kochlöffeldorf" Altenbach auch gehört.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung