Am Mittwoch wurde der offizielle Startschuss gegeben. Neben Glasfaser werden auch neue Erdkabel verlegt, die Freileitungen verschwinden.
Von Micha Hörnle
Schriesheim-Altenbach. Während sich die Schriesheimer bei der Glasfaser noch gedulden müssen (siehe unten), sind die Altenbacher schneller: Denn am Mittwoch startete dort offiziell der Ausbau des schnellen Internets – offiziell deswegen, weil schon seit Mitte Mai hier gearbeitet wird.
Für Bürgermeister Christoph Oeldorf ist das "eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen für Altenbach", und auch Ortsvorsteher Carsten Junghans nannte das schnelle Internet "einen Meilenstein": "Das ist existenziell für Altenbach. Das macht uns als Wohnort attraktiv für Familien, die momentan vielleicht noch in oder an den Großstädten leben. Denn bald kann man ohne Probleme von zu Hause aus arbeiten. Und es ist auch gut für unsere Unternehmen. Denn Glasfaser spart Geld und Zeit."
Projektleiter Fabian Salazar und Generalunternehmer Tim Gebhard, beide von Netze-BW, dem Mutterunternehmen des Telekommunikationsanbieters Netcom-BW, erklärten, was nun in Altenbach in den nächsten zwei Jahren passieren wird: In fünf Bauabschnitten – der erste hat bereits begonnen – wird im Dorf gearbeitet. Übrigens nicht nur an der Glasfaser: Denn auch das Stromnetz wird auf Vordermann gebracht, wie Necmittin Uygur, der Bauleiter der Kronauer Tiefbaufirma TuRom, berichtet. Denn mit der Installation von Wallboxen für E-Fahrzeuge kamen in den letzten Jahren neue Belastungen für die Kabel hinzu, die nun durch neue, leistungsfähigere ersetzt werden.
Außerdem sollen, so Gebhard, auch die Freileitungen durch Erdkabel ersetzt werden: Momentan, so schätzt Tobias Maurer von der Netze-BW, gibt es in Altenbach noch 200 Stück, und die sollen bis Mitte 2027 überflüssig sein – wie man es auch von Ursenbach kennt, wo allerdings auch drei Jahre nach dem schnellen Internet und den neuen Erdkabeln die Dachständer immer noch stehen. Insgesamt sollen 17 Kilometer Glasfaser und sechs Kilometer neue Stromleitungen durch Altenbach gezogen werden – knapp einen hat man schon geschafft.
Ganz von vorne musste Netze-BW aber in Altenbach nicht beginnen, was Glasfaser angeht. In einem ersten Ausbauschritt hatte die kreiseigene Firma "Fibernet" bereits vor vier Jahren in der Hauptstraße einen großen Strang ("Backbone") gelegt, den man jetzt mitnutzen kann. Insofern versprach Maurer den Altenbachern "möglichst wenig Eingriffe", wobei Bauleiter Uygur keine Garantie dafür geben konnte, dass es doch nicht zu Straßensperrungen kommt: "Nur wenn es eng und gefährlich wird. Aber generell vermeiden wir es."
Oeldorf bat vorsorglich die Anwohner um Rücksicht und hofft auf das Verständnis der Altenbacher, die "den Mehrwert der Arbeiten nicht vergessen" sollten. Auf jeden Fall werde es nicht zu dauerhaften Sperrungen kommen, man könne ja auch auf eine Baugrube mal provisorisch eine "Stahlplatte drüber legen", so Uygur.
Die ersten Wochen haben sich wohl gut angelassen, jedenfalls lobte Ortsvorsteher Junghans "die gute Kommunikation zwischen der Baufirma und Netze-BW. Das ist mehr als wichtig in einem so frühen Stadium. Bisher gab es nur positive Rückmeldungen". Auch Uygur versprach, immer ein offenes Ohr für die Anwohner zu haben. Und Gebhard versprach eine "frühzeitige Information der Anwohner".
Wobei es wohl schon so ist, dass sich viele im Dorf auf die Glasfaser freuen. Junghans verwies noch einmal drauf, dass es erst die Bereitschaft der Altenbacher, früh einen Vorvertrag mit "Netcom-BW" zu schließen, zum Ausbau führte. Die sogenannte Vorvertragsquote war mit 54 Prozent deutlich höher als in der Kernstadt.
Allerdings nannte Salazar am Mittwoch andere Zahlen: Von den gut 700 Altenbacher Haushalten gab es von 300 einen Auftrag (Quote: 43 Prozent). Aber auch wer sich jetzt noch entscheiden will, bekommt einen Gratis-Glasfaseranschluss; die Baggerfahrer haben auf jeden Fall solche Karten dabei. Denn auch sie wissen: Wenn erst mal in der Straße gearbeitet wird, steigt das Interesse.
Übrigens: Auch wer sich dagegen entscheidet, kann sich später ans Glasfasernetz anschließen lassen: Jedes Haus bekommt bis zur Grundstücksgrenze einen Anschluss gelegt. Nur: Wenn es dann ins Haus geht, braucht man wieder einen Vertrag.
Und Schriesheim?
In der letzten Gemeinderatssitzung hatte Karl-Robert Röhrig, einer der ganz treuen Besucher im Ratssaal, gefragt, wann es denn mit dem Glasfaserausbau in seiner Straße, der Beethovenstraße, losgeht. Damals, vor fünf Wochen, sagte Bürgermeister Christoph Oeldorf, dass sich "am groben Zeitplan nichts geändert hat". Die "Deutsche Giga-Netz" werde "noch im Juni/Juli beginnen" – und zwar im Nordwesten (was wiederum Röhrigs Straße umfassen würde).
Nur: Bisher hörte man von dem Unternehmen nichts. Auch mehrfache Versuche der RNZ, die "Deutsche Giga-Netz" telefonisch oder per E-Mail zu erreichen, gingen ins Leere. Im Januar hatte die Firma versprochen, "Ende März, Anfang April" mit der Erschließung der Privatgrundstücke beginnen zu wollen.
Bis Juni/Juli wollte man mit den vorbereitenden Arbeiten an den Häusern durch sein, dann würde nach und nach die Glasfaser von der A5 kommend in die Straßen gezogen. Bis Ende 2026 sollte die gesamte Kernstadt, die in sieben Ausbausektoren unterteilt ist, mit Glasfaser versorgt sein.
Eigentlich wollte der Mitbewerber "Netcom-BW" auch in der Kernstadt das Glasfasernetz ausbauen. Doch angesichts eines eher geringen Anteils der Haushalte, die einen Vorvertrag für die Glasfaser abgeschlossen haben ("Vorvertragsquote"), von nur 31 Prozent – statt der angestrebten 40 Prozent –, war die Firma im Februar 2024 ausgestiegen. Kurz vor Jahresbeginn 2025 stand die "Deutsche Giga-Netz" bereit, die seit Sommer 2023 in Dossenheim tätig ist. Doch trotz des neuen Anbieters sprangen kaum mehr Schriesheimer auf: Die Vorvertragsquote blieb in etwa gleich.
Vielleicht hat die "Deutsche Giga-Netz" auch ganz andere Sorgen: In Dossenheim stoppte sie ihren Ausbau, nachdem dort auf eigene Faust die Vodafone-Tochter "Open Access Glasfaser" (OXG) auf eigene Faust mit dem Ausbau begonnen hatte. Nach fünf Wochen stellte Ende April die "Deutsche Giga-Netz" ihre Arbeiten ein und will nun mit der Konkurrenz von OXG kooperieren.
Info: Wer Fragen zur oder Probleme mit der Baustelle hat, kann eine E-Mail schreiben an tk_hausanschluss_nord @netze-bw.de.
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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung
